Sich selbst Gutes tun. Wieso ist Pause machen eigentlich so schwer?

Hilfe, da ist ein Loch in meinem Kalender!

Hast Du manchmal so Tage, wo sich plötzlich ein unerwartetes Zeitfenster auftut? Bei mir war das kürzlich so. Ein Termin ist ausgefallen und zusammen mit meiner geplanten Mittagspause entstand dann ein ziemliches Loch in meinem Kalender. Also, auf mich wirkt es jedenfalls riesig. „Was mache ich jetzt“? Nach Hause fahren zahlt sich nicht wirklich aus und natürlich hatte ich genau heute kein Buch dabei. Bei dem Gedanken versprach ich mir gleich, jetzt KEIN Neues zu kaufen, denn in meinem Bücherregal stapeln sich noch 5 andere, zu denen ich noch gar nicht gekommen bin. Vielleicht sollte ich doch schnell nach Hause fahren, die Wäsche oder den Einkauf oder….. Nein, diesen Gedanken verjagte ich auch gleich wieder.

Draußen ist es jetzt auch nicht mehr wirklich einladend, es ist kalt, unfreundlich und düster geworden. Also habe ich den Spaziergang auch gleich mal gestrichen, der war mir eindeutig zu ungemütlich. Ich hätte natürlich einiges an Arbeit gleich mit dabei, ging es mir durch den Kopf. Ich bräuchte nur meinen Laptop aufzumachen und könnte schon loslegen. Da warteten einige Dinge auf mich: Mails beantworten, Recherche, Kliententermine vor-/nachbereiten, meine Rechnungen (die am PC sind zumindest) für die Steuer vorsortieren, meinen Liquiditätsplan nachtragen (ja so etwas habe ich!) und, und, und. Aber das war alles Arbeit.

Wieso ist es eigentlich so schwer, mal Pause zu machen? Wie Du Dein Mindset änderst!

Für mich jedenfalls. Mein Partner kann das wesentlich besser, als ich, was oftmals zu Unstimmigkeiten zwischen uns führt, weil ich noch den „alten Modus“ in mir habe, dass man nichts „Unnützes“ tun soll, seine Zeit nicht vergeuden darf. Arbeiten ist gut, viel und hart und anstrengend arbeiten noch besser! So bin ich erzogen worden und obwohl ich genau weiß, dass das nicht stimmt, schlägt das alte Muster genau in solchen Situationen zu. 2 Stunden frei und statt HURRA – was mache ich denn jetzt Schönes, spüre ich ein dumpfes Gefühl in der Magengegend und frage mich sofort-WAS IST ZU TUN? Meine eigenen MINDFUCK’s auf frischer Tat ertappt sozusagen! Aber was jetzt?

Die Aufmerksamkeit erhöhen

Ich atme also erst einmal durch und erinnere mich, dass ich ja meine ganz eigenen Entscheidungen treffen kann. Die, die mir gut tun! Aber vielleicht kennt ihr das auch, dass es sich anfangs gar nicht so gut anfühlt, sich selbst Gutes zu tun? Es ist, als ob man eine innere Grenze überschreiten müsste und dabei meine ganzen alten Denk- und Fühlmuster Alarm schlagen! Hier hilft mir die Achtsamkeit oder Bewusstheit. Damit meine ich, dass ich aufmerksam werde, was gerade in mir abläuft und ich besonders konzentriert werde. Jetzt schaue ich quasi noch eine Spur genauer hin, spüre nach, was ich denke und fühle, besonders aus welcher inneren Haltung heraus das geschieht. So bemerke ich schnell, wann ich aus alten, destruktiven Mustern heraus reagiere – was mit meiner geschenkten Freizeit heute eindeutig der Fall war! Ich halte also einen Moment inne, mache eine Art „inneren Check“ und entscheide mich dann ganz bewusst, was ich tun werde! In der Psychologie nennt man das auch „Impulskontrolle“ und das ist auch eine wirklich wichtige Fähigkeit, um sich selbst steuern zu können, anstatt impulshaft zu reagieren.

Also habe ich überlegt, was jetzt schön wäre. Ich habe mich für einen Mini-Einkaufsbummel entschieden. Mini deshalb, weil ich einkaufen nicht besonders gerne mag. Ja, auch solche Frauen gibt es! Aber diesmal hatte ich überraschend Lust auf einen ganz bestimmter Laden, da wollte ich schon länger schauen, ob es warme, schicke Daunenmäntel für meine Tochter gibt. „Ja, das wäre perfekt. Das mache ich. Und dann könnte ich einfach ganz gemütlich essen gehen. Mir Zeit nehmen. Leute beobachten“. Ich merkte, wie ich gleichzeitig auch deutlich mehr in die Gegenwart kam und das „gerade jetzt“ anfing zu spüren und zu genießen.

Momente sammeln.

Vielleicht kennst Du ein Erfolgstagebuch oder ich nenne es gerne auch „gute Dinge-Buch“.  Es kann auch eine schöne Dose sein, wo Du auf kleinen Zetteln notierst, was gut war.  Da kommen schöne Momente hinein.Alles, was gut geklappt hat, gelungen ist, unerwartet eingetreten ist, schön war, was ich geschafft habe! Ein Blick dahinein tut von Zeit zu Zeit richtig gut!

Aus meinem Loch im Kalender sind jetzt solche Momente geworden! Ich habe die passende Jacke erstanden und bin dann in ein gemütliches Lokal gegangen. Ich saß da und bestellte mir ein leckeres Essen, konnte genießen, ein wenig schreiben, dem Gemurmel der Leute lauschen. Währenddessen klang chillige Lounge Musik in mein Ohr. Einfach nur da sein. Einfach nur sein. Atmen. Endlich ein paar tiefe Atemzüge.

Jetzt war ich angekommen.

Bei mir. In diesem Moment. In dieser Umgebung. Jetzt erst spürte ich mich wieder ganz, vorher war ich nur Kopf und Arme und Beine. Es wurde ruhig in mir. Ich schlürfte meine Tasse Kaffee und plötzlich empfand ich alles irgendwie besonders. In diesen Momenten empfinde ich es immer als Geschenk, dass ich hier sein darf. Am Leben. In einer wunderbaren Stadt. Gesund. Mit einer Familie, einer wirklich schönen und sinnvollen Arbeit. Mit spontaner Zeit. Mit „mich lebendig fühlen“ und Ruhe spüren können.

So saß ich da noch eine ganze Weile. Einfach nur um Pause zu machen. Nichts zu müssen. Einfach nur zu sein. Und zu genießen. Sitzen. Atmen. Schauen. Sonst nichts.

Löcher im Kalender sind gut!

 

9 Tipps wie Du lernst runterzuschalten!

  1. Mache dir eine Liste von den Dingen, die Dir gut tun! Wenn wir schlecht drauf, gestresst sind, fällt uns das nämlich alles nicht ein!

  2. Plane bewusst Pausen Kurze Bewegungspausen zwischendurch. Halte eine echte Mittagspause!

  3. Trainiere Deine Regenerationsfähigkeit! Übe, Dir selbst Gutes zu tun! Gib diesem Bereich wertschätzende Aufmerksamkeit!

  4. Bemerke, wann Du nur mehr am Funktionieren bist.

  5. Überprüfe mehrmals am Tag, wie Du Dich fühlst, wie Du gerade mit dir umgehst.

  6. Dehne dann ganz bewusst diese innere Grenze der „Genügsamkeit“ aus.

  7. Atmen ist die einfachste und schnellste Form der Entspannung. Nimm bewusst mehrere tiefe Atemzüge!

  8. Erlaube Dir, Dich gut und entspannt zu fühlen. Einfach nur zu sein. Nichts zu tun. Zu genießen.

  9. „Ich entschließe mich“ jetzt, die Ruhe zu genießen! Bis daraus eine feste Gewohnheit wird, kann das für manche Menschen eine ganz bewusste Entscheidung verlangen!

 

4 Antworten
  1. Tom Oberbichler
    Tom Oberbichler says:

    Coole Tipps, liebe Eva!
    Ich bin fest überzeugt, dass du hier Punkte ansprichst, die für jeden nachhaltigen Erfolg wichtig sind.
    So sehr es in meiner Welt darum im hier und jetzt zu sein, so wichtig ist es auch einen langen Atem zu haben, um die wirklich großen Ziele zu erreichen.
    Dafür ist die Regenerationsfähigkeit auch für mich wesentlich. Und ich bin immer wieder beeindruckt, wie stark so einfache Übungen wirken.
    Herzliche Grüße und be wonderful!
    Tom

    Antworten
  2. Birgit Gatter
    Birgit Gatter says:

    Liebe Eva,
    ein wichtiges Thema, das ich gut kenne. Denn manchmal ertappe ich mich selbst dabei, dass ich es als Pause bezeichne, wenn ich für meine Kinder koche. (obwohl ich Kochen in der Tat sehr entspannend finde)
    Mittlerweile hab ich mir angewöhnt, wenn ich merke „es stockt“, bewusst Pause zu machen meist geht nach einer „Waldrunde“ alles wieder leichter.
    Deine Tipps werde ich sicher ausprobieren.
    Alles Liebe
    Birgit

    Antworten
    • Mag. Eva de Wilde
      Mag. Eva de Wilde says:

      Liebe Birgit,
      schön zu hören, wie Du das machst! Pause muss ja nicht „nichts-tun“ bedeuten, es geht vielmehr darum herauszufinden, wo/wie wir entspannen, auftanken, abschalten können! Das kann bestimmt auch Kochen sein-ein andermal ist es aber vielleicht Arbeit:) Du beschreibst es schön: „wenn ich merke“! Genau darum geht es!
      Schönen Abend
      Eva

      Antworten

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