Warum sind Veränderungen im Leben so wichtig ?

Interview mit Eva de Wilde, Lifecoach, zum Thema Veränderungen im Leben.

1.Warum sind Veränderungen in unserem Leben so wichtig?

Um wachsen zu können und verbunden zu bleiben: Die Herausforderungen heute sind groß, sich nicht zu verändern ist eigentlich kaum möglich. Wir müssen uns immer wieder neu ausrichten, arrangieren, unsere Lebensweise auf die jeweilige Situation abstimmen, Herausforderungen meistern …

Wichtig dabei ist, dass wir Gestalter unseres Lebens sind, sonst bestimmen andere oder die Umstände über uns! (lt. Gerald Hüther, Hirnforscher, brauchen wir 2 Dinge: Verbundenheit und die Gelegenheit, täglich ein bisschen über uns selbst hinauszuwachsen! )

2.Wann ist es Zeit für eine Veränderung?

• Wenn wir merken, dass wir dauerhaft unzufrieden sind • wir unsere Vorstellungen, Träume, unsere Persönlichkeit nicht leben können
• Wenn unsere Lebensqualität zunehmend leidet, Freude und Begeisterung verschwinden • Wenn die Situation uns viel mehr Kraft kostet als gibt
• wenn sich die Umstände körperlich oder psychisch niederschlagen • wir nur mehr funktionieren oder dabei sind zu resignieren.

3.Was ist wichtig, wenn ich vor einem Neuanfang stehe? Wie soll/kann man mit der Situation am besten umgehen?

• Innehalten:  einen ehrlicher Blick auf sich und die Situation werfen und Bilanz ziehen: was möchte beibehalten, was möchte ich in Zukunft nicht mehr/was wünsche ich mir stattdessen? Was möchte ich Neues in meinem Leben haben?
• Annehmen: Sich selber, die Situation und die dazugehörigen Gefühle (positive/negative) • An sich glauben: sich an frühere Erfolge oder ähnliche Situationen erinnern, sich seiner Stärken bewusst werden, darauf vertrauen, dass ich die Situation meistern kann, mir vorstellen, wie ich mich danach fühle!!sich selber sagen: alles wird gut! Sich auch mal professionelle Unterstützung gönnen! (Klärung, sich stärken, sein Vorhaben voranbringen, Hürden überwinden…)
• Darüber sprechen: mich mit lieben Menschen umgeben, die mir gut tun, die Verständnis zeigen und mir Mut machen! • Sich Zeit geben: das Alte passt nicht mehr – das Neue ist noch nicht ganz da, diese Übergangsphasen benötigen Geduld, Veränderung braucht Zeit!
• Kleine Schritte gehen: wir müssen nicht alles bis ins Detail wissen, Vorsicht ist gut-aber Angst behindert oder lähmt uns. Der Weg entsteht oftmals beim Gehen! Raus aus der Komfortzone, einen ersten Schritt machen!
• Entwicklungsaufgabe sehen: was kann ich daraus lernen? Was ist mein Anteil, worauf kann ich Einfluss nehmen? Welche Gelegenheit bietet die Situation: Was habe ich aufgeschoben, das ich jetzt in Angriff nehmen will?
• Mein Leben in die Hand nehmen: nicht (zu lange) warten, sondern bewusste Entscheidungen treffen. Mir klar werden, wer ich bin und was ich von meinem Leben will? Herausfinden, was mich glücklich und zufrieden macht? Die Gelegenheit erkennen, die die neue Situation bietet: z. B. Freiheit, Unabhängigkeit, neue Träume, Visionen, Pläne schmieden…
 gut für mich sorgen: Was/wer tut mir jetzt gut? Bewusst genießen, sich verwöhnen, neu einkleiden, neuer Haarschnitt, auftanken, zur Ruhe kommen, vielleicht bietet sich jetzt die Gelegenheit endlich mehr Sport zu betreiben, ein Hobby wieder aufzunehmen oder ein neues zu beginnen, Freundschaften zu pflegen, eine Reise zu machen…

4.Was sind Ihre Erfahrungswerte: Gibt es bei Frauen ein bestimmtes Alter, wo viele von ihnen einen Neuanfang wagen?

• Die Lebensmitte ist für Viele ein großer Wendepunkt – das sogenannte 2. Erwachsenenleben. In der ersten Lebenshälfte ist oft noch viel vorgegeben, wir „funktionieren“ noch mehr, sind eher nach außen gerichtet. Ab 35/40 treffen wir bewusstere Entscheidungen, sind selbstsicherer und wollen mehr Tiefgang, Essenz im Leben spüren. Frauen denen Familie sehr wichtig war, können und wollen jetzt beruflich durchstarten, persönliche und finanzielle Eigenständigkeit und Freiheit gewinnen. Frauen, die beruflich viel erreicht haben, wollen jetzt vielleicht Familie gründen. Erwachsene Kinder verlassen das Elternhaus, auch da wird wieder viel Energie frei, sein Leben umzugestalten!
• Manchmal zwingen gesundheitliche Gründe zum Umdenken, wenn Erschöpfung und Burnout signalisieren, dass wir unserem Leben eine neue Richtung geben sollen. Dies betrifft meist besonders starke Frauen, die bisher immer „alles geschafft“ haben…
• Entwicklungsbedingte Lebensphasen oder Schicksalsschläge verlangen eine Veränderung von uns: Ausbildung, Studium, Berufseinstieg, Paarbeziehung, Schwangerschaft, Familie, Jobwechsel, Übersiedlungen, Kinder verlassen das Elternhaus, Trennung, Tod etc. Im Gegensatz zu früher, können sich diese Veränderungen heute durch die gesamte Lebensspanne ziehen oder sich auch wiederholen

5.Was können die Konsequenzen sein, wenn man mit seinem Leben unzufrieden ist?

• positive Konsequenzen: überlegen, welche Veränderung wir benötigen, was wir uns wünschen und wie wir diese verwirklichen können. Dies kann ein Gewinn an Lebensqualität, Freude und Sinn im Leben sein
• Negative Konsequenzen: wenn wir uns als Opfer der Umstände fühlen, überfordert, ratlos, orientierungslos sind. Wenn Körper oder Seele signalisieren, dass es so nicht mehr weitergeht.

6.Wie kann man für sich selbst herausfinden, was man braucht, um glücklich zu sein?

Bilanz ziehen: wo stehe ich?  einen ehrlicher Blick auf das eigene Leben richten

Bewusst machen: wer bin ich? (meine Stärken, Fähigkeiten, Talente)  und was will ich (wirklich), welche Werte habe ich im Innersten, was treibt mich in einem positiven Sinne an, was sind meine Lebensmotive, die mich glücklich machen? Mich so annehmen, wie ich bin!

Mutige, kleine Schritte gehen:  mir mein „Biotop“ schaffen  (wo, wie, mit wem möchte ich gerne leben, was passt zu mir (beruflich/privat)

Sich erlauben zu träumen! In unseren Wünschen, Sehnsüchten, Träumen steckt die Energie für neue Visionen und Lebensziele!

 

7.Wie soll man mit Zweifel umgehen, ob man tatsächlich einen Neuanfang wagen sollte?

Zweifel und Ängste sind ganz normal, ein Neuanfang braucht immer Mut!

• Hilfreich ist es abzuwägen, was dafür oder dagegen spricht
• Überprüfen, ob die Bedenken berechtigt sind, was im schlimmsten Fall passieren kann (worst case scenario).
• Auf die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten achten (emotional spüren wir meist schneller und klarer, was uns gut tut! )
• Einen guten, realistischen  Plan entwerfen, wie wir schrittweise vorankommen und kleine Schritte setzen
• Gute Unterstützer finden! Wer hilft mir, wer motiviert mich, wer ist ein Vorbild für mich?
• Sich bewusst machen, dass ich mich entschließen kann, Dinge in meinem Leben zu verändern! Ich kann mein Leben (mit)gestalten, für mehr Lebensqualität und Wohlbefinden sorgen. Es hilft niemand, wenn ich mich aufopfere und vor mich hinleide…. Im Gegenteil!
• Hindernisse beseitigen: darauf achten, wo Ängste, Zweifel so groß werden, dass ich mir im Weg stehe oder mich selbst sabotiere! Auf innere Sätze, Gedanken achten: „das schaffst Du nie“, „wo kommen wir hin, wenn jeder nur auf sich schaut?“, „das wird sicher schief gehen“ etc.

8.Es heißt: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ – sollte man sich das im Leben als Leitsatz machen?

Ja, das Leben ist oft ein Wagnis, vieles kommt anders als wir denken und planen. Wir brauchen immer wieder Mut, unser Leben so zu führen, dass es auch wirklich zu uns, zu unseren Möglichkeiten und Vorstellungen passt. Das Leben ist ein Geschenk und wir haben die Aufgabe es so zu gestalten, dass wir das Beste, etwas Gutes  daraus machen!

9.Wie kann man von einem Neuanfang profitieren? Was sind die „Verlockungen“ für die meisten Frauen, ab einem bestimmten Punkt noch mal so richtig durchzustarten?

• Der Wunsch nach mehr Lebensqualität, Selbstbestimmung, Eigenständigkeit, finanzieller Unabhängigkeit/Verbesserung, mehr Lebensfreude,
• Sinnfragen/die eigene  Bestimmung, Berufung, Lebensaufgabe zu erfüllen: individuelle Stärken , Talente, Fähigkeiten kennen und leben wollen, aber auch die eigenen Grenzen anerkennen, nein-sagen können
• Lebenserfahrung/Reife: wissen wer man ist und was man will vom Leben! was einem wichtig ist, zufrieden macht.
• Lebensumstände: Zeit für sich, die eigenen Bedürfnisse, Vorstellungen, weil ich nur (mehr) Verantwortung für mich zu tragen habe, nach Trennungen, Tod des Partners, wenn die Kinder aus dem Haus sind….

10.Gibt es auch falsche Motive, die einen dazu leiten können, einen Neuanfang zu wagen? (Bedürfnis nach Jugend,…)

• Wenn es nicht die eigenen, wahren Beweggründe sind (Prägungen aus der Kindheit, Vorgaben der Gesellschaft- die nicht wirklich zu mir/meinen Werten passen)
• Wenn ich mich zu viel vergleiche, mich minderwertig, zu wenig attraktiv, nicht erfolgreich ….in den Augen anderer empfinde. Dann besteht die Gefahr, dass ich eine Veränderung suche, die jedoch keine wirkliche Zufriedenheit bringt.

11.Wie kann man sich vor Enttäuschen bewahren? Beziehungsweise wie soll man mit Enttäuschungen umgehen?

• Manche Frauen können sich gut ausmalen, was alles eintreten, passieren kann – das kann hilfreich sein, wenn wir es nicht übertreiben. So ist man auf das Schlimmste gefasst, erlebt weniger böse Überraschungen, hat sich vielleicht auch einen Notfallplan zurecht gelegt.
• Die hohen Ansprüche, Perfektionismus ruhig ein wenig herunterschrauben, sich erlauben, Fehler zu machen, denn so sammeln wir auch Erfahrungen und wachsen daran.
• Sich selbst und manche Umstände nicht immer zu wichtig und zu ernst zu nehmen!

12.Was sind die klassischen „Wachstumsbremsen“, die Frauen daran hindern, nochmals durchzustarten? (Angst, Faulheit…)

• Mangelndes Zutrauen, Selbstvertrauen.
• Negative Glaubensätze oder Selbstzuschreibungen (mindfucks nennt das die bekannte deutsche Coach Dr. Petra Bock). • Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Überforderung
• Erschöpfung, mangelnde Energie (z.B. bei burnout)

Hier gilt:
• Visionen entwickeln, träumen, sich ausmalen, wie ein gutes, glückliches Leben für mich aussieht!
• Selbstwirksamkeit fördern: aus der Opferhaltung und der Komfortzone heraustreten und die Erfahrung machen, dass ich etwas bewirken, verändern kann!
• kleine Schritte, kleine Veränderungen, für kleine Erfolge sorgen und sich diese auch bewusst machen!!! (Erfolgstagebuch führen).
• Mich mit Menschen umgeben, die mich bestärken, mir Mut machen!
• Sich Unterstützung holen: Manchmal braucht es vielleicht auch ärztliche, therapeutische Hilfe, um Vergangenes aufzuarbeiten oder ein Coaching, um Klarheit zu gewinnen und ein Vorhaben voranzubringen!

13.Wie findet man die Balance, dass man einerseits nicht stehen bleibt, aber andererseits auch das schätzt, was man hat?

• Dankbarkeit! Sich bewusst machen, was unser Leben schön macht, womit wir zufrieden sind, was wir geschafft und erreicht haben!
• Rückblick: Was habe ich in den letzten Jahren erreicht, verändert, gut gemacht? Was ist mir in meinem Leben gut gelungen? Worauf bin stolz? Sich mehr mit sich selbst vergleichen anstatt mit anderen!
• Das Leben vom Ende her denken: Wie möchte ich am Ende meines Lebens zurückblicken? Was möchte ich noch mit meinem Leben anfangen? Was möchte ich bewegen, hinterlassen? Wo spüre ich Leichtigkeit, Lebendigkeit, Begeisterung? Wie sieht ein erfülltes, gelungenes Leben für mich aus? Wozu will ich diese Veränderung?
• Immer wieder die Balance zwischen bewahren und wachsen finden! Alles hat seine Zeit!

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