Weihnachtsstress – it’s just MINDFUCK!

Weihnachten – die schönste Zeit des Jahres!

Ich gestehe es gleich zu Beginn dieses Artikels, ich gehöre auch zu den „Weihnachtsromantikern“ und das hat mir in der Vergangenheit nicht immer nur Frieden und Harmonie beschert. Aber irgendwie sind da diese Bilder in meinem Kopf und dieses Gefühl in meinem Körper, dass Weihnachten einfach etwas ganz Besonderes ist, weil es doch diesen ganz besonderen Zauber hat. Ich weiß eigentlich gar nicht woher das bei mir kommt, denn wenn ich an meine Kindertage denke, war es nicht unbedingt so friedlich. Aber ich war davon überzeugt, dass Weihnachten „früher“ bestimmt wunderschön und geheimnisvoll war. Vielleicht entstand gerade deswegen, diese besondere Sehnsucht danach?

Meine eigene Familie zu haben, war ein ganz wichtiges Lebensthema für mich und so habe ich schon sehr früh meine erste Tochter bekommen. Ja und Weihnachten, Familie und Kinder scheinen auch fast untrennbar zusammen zu gehören. Und das waren wirklich wunderbare Momente, das Strahlen in ihren Augen, die Aufgeregtheit bis zur Bescherung, der erste Schnee, der wahre Begeisterungsstürme auslöste.

Früher habe ich jedes Jahr selber den Adventkalender gebastelt und befüllt, denn es konnte auf keinen Fall ein „Gekaufter“ sein. Das kann mit den Jahren und der steigenden Kinderzahl eine wahre Herausforderung werden. Immer neue Ideen, was Aussehen und Inhalt angelangt, haben zu müssen. In den Spitzenzeiten saßen meine Schwägerin und ich nächtelang über dieser kreativen Meisterleistung, denn bei insgesamt 5 Kindern, handelte es sich dann bereits um 120 Säckchen!

Die Zeiten haben sich geändert!

Oder besser gesagt, ich habe mich und meine Vorstellungen und den Ablauf der Rituale geändert. Das war gar nicht so leicht. Aber heute ist es dafür entspannter. Meine jüngste Tochter sitzt genauso neugierig über ihren 3 Fragezeichen Adventkalender und löst die täglich neuen Rätsel. Die Kekse können jetzt auch mal bestellt werden oder vom gekauften Teig ausgestochen werden – das wäre früher für mich undenkbar gewesen. Ich muss auch nicht mehr anderen zuliebe, dieses oder jenes machen, weil „die sonst enttäuscht sind!“ In der Vergangenheit haben wir uns, wenn ich ehrlich bin, oft ganz ordentlichen Erwartungsdruck gemacht. Ich habe an ganz bestimmten Regeln, Abläufen festgehalten, die einzuhalten waren, mit Idealvorstellungen mich und andere auf- und abgewertet, was die Gestaltung der Weihnachtsfeierlichkeiten anbelangt. Bei alldem habe ich dennoch das Gefühl gehabt, mich selbst aufzuopfern, zurückzustellen, alles alleine machen zu müssen usw.

It’s just MINDFUCK®

würde meine Lehrcoach an dieser Stelle lachend sagen. Ja und es stimmt. Ich glaube, in der Vergangenheit habe ich sie alle 7 auf den Plan gerufen: Katastrophen, Bewertung, Druckmacher, Selbstverleugnung, Regel, Misstrauen, Übermotivation – sie alle waren auch Teil meiner Weihnachtsatmosphäre. Vielleicht kennst du das ja auch?

Wir malen uns aus, was alles passieren oder schiefgehen wird, wir machen Druck, jammern, kritisieren, zweifeln, pushen uns wieder hoch, halten fest an überholten Regeln. Manchmal endet alles in einem einzigen Desaster, Familienstreit oder wir sind einfach nur froh, dass die Weihnachtsfeiertage vorüber sind!

Vertrautes und Neues – beides hat Platz!

Aber heißt das nun, dass wir unsere Wünsche auf eine schöne, besinnliche, ruhige Adventszeit begraben müssen, dass das alles heillos überzogen ist? Nein, das denke ich nicht. Aber vielleicht bedarf es einer ehrlichen Überprüfung und auch das eine oder andere klärende Gespräch könnte ganz gut sein. Gewisse Rituale können verändert werden oder manche vielleicht ganz ausfallen. Es ist wichtig, sich zu fragen: wie gelingt es uns, unsere Erwartungen aufeinander abzustimmen und miteinander ein schönes Fest feiern? Anstatt die alleinige „Zeremonienmeisterin“ zu sein, habe ich gelernt, Aufgaben zu verteilen, Familienmitglieder und Gäste auch einzuteilen. Die wollen das ja meist auch gerne, weil sie sich so viel wohler und verbundener fühlen.

Darauf freue ich mich!

Seit einigen Jahren schmücken wir den Baum schon einen Tag vorher gemeinsam und genießen den 24.12. schon vom Frühstück an. Manchmal kommen die Nachbarn vorbei, es gibt Kekse und Punsch. Ich liebe noch immer die geschmückte Wohnung in der Adventszeit, den Duft nach Orangen, Zimt und Keksen, es sich nach der Kälte draußen, zu Hause gemütlich zu machen und bei einer Tasse Tee, kitschige Weihnachtsmusik aufzulegen, Nüsse knacken oder wieder einmal ein neues Bratapfel Rezept ausprobieren. Aber es muss nicht alles gleichzeitig sein, es muss nicht alles nach meinen Vorstellungen laufen, ich muss meine Wünsche aber auch nicht chronisch unterdrücken und es allen anderen recht machen. Weihnachten ist für mich noch immer eine besondere Zeit, eine bewusste Zeit. Denn dann sind auch die letzten Tage im Jahr angebrochen und es neigt sich mit seinen freud- oder auch leidvollen Tagen zu Ende. Es macht mir wieder bewusst, was und wer mir wichtig ist!

Impulse für dich!

  • Welche Abläufe und festgefahrenen Überzeugungen willst du überdenken und ändern?
  • Ganz ohne müssen und sollen: Wie wäre Weihnachten für dich richtig schön?
  • Was willst du nicht mehr und hast du den Mut das anzusprechen?
  • Was könntest Du delegieren, wie könnt ihr euch die Aufgaben aufteilen?
  • Mit wem solltest du vorab was besprechen?
  • Welche Ansprüche und Erwartungen sind eindeutig zu hoch?
  • Worum geht es dir, was bedeutet Weihnachten für dich?
  • Was kannst du Neues ausprobieren?

Sich öffnen und eine neue Haltung einnehmen

Wenn wir uns mit alten, destruktiven Denkmustern stören, dann nehmen wir unbewusst eine Haltung ein, die nicht mehr zeitgemäß ist. Entweder, weil wir dieser Entwicklungsphase (z.B. einer kindlich-angepassten) schon längst entwachsen sind oder weil diese Art des Denkens tatsächlich in eine frühere Zeit gehört. In der Gegenwart angekommen, als erwachsener, freier Mensch im 21. Jahrhundert, haben wir die Möglichkeit, für uns selbst zu bestimmen, wie wir gerne leben möchten. Das heißt nicht, dass wir keine Werte oder keine schönen Rituale mehr feiern wollen. Es bedeutet, dass wir einen erwachseneren und freieren Umgang mit vielen Dingen finden können. Wir können eine erwachsene Haltung einnehmen und uns neugierig und vertrauensvoll öffnen, mit der Gewissheit, als erwachsene Person, mit  eventuell auftretenden Schwierigkeiten, angemessen umgehen zu können. So können wir uns entspannen und wieder neue Erfahrungen machen!

Ich wünsche Dir eine schöne Adventszeit und ein gelungenes Fest!

2 Antworten
  1. Anja Worm
    Anja Worm says:

    Liebe Eva,
    diesen Mindfuck habe ich schon vor über 10 Jahren abgelegt, aus den gleichen Gründen, die du hier auch schreibst. Bei uns kommen am Heiligabend immer meine Eltern – und sie bringen den Weihnachtsbraten mit – Essen auf Rändern sozusagen 😉 Herrlich. Ich habe viel weniger Stress, es beschränkt sich auf ein paar wenige Arbeitsschritte. Und gekauft wird auch nur noch sehr sparsam und nur nach Wunsch. Ich verschenke nichts, wo ich nicht zu 100% sicher sein kann, dass sich der Beschenkte darüber auch freut. Das entspannt sehr. Und ich sage auch, wenn mir etwas nicht gefällt und was ich in Zukunft nicht mehr möchte – z.B. zuviel Naschis. Seitdem ist Weihnachten ein Tag wie viele andere, der aber eben, weil es sehr festlich ist, trotzdem besonders sein kann – aber nicht muss. Das hilft mir, den Druck rauszunehmen. Liebe Grüße Anja

    Antworten
    • Mag. Eva de Wilde
      Mag. Eva de Wilde says:

      Liebe Anja!
      Das hört sich sehr entspannt an, schön! So ähnlich wird’s bei uns heuer auch sein, nur dass wir diejenigen sind, die (mit einem Teil des Weihnachtsmenüs bei der Familie meiner Tochter und Enkerl) anreisen. Das wird auch wieder eine neue Erfahrung! Schöne Feiertage wünsche ich Dir! Liebe Grüße Eva

      Antworten

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